Halloween in Hogwarts, Hawkins und Springfield: Wie unsere Lieblingswelten das Fest feiern

Halloween in Hogwarts, Hawkins und Springfield: Wie unsere Lieblingswelten das Fest feiern

(Bild: @fliederfuchs)

Halloween ist in Deutschland ein komisches Fest. Die einen hängen Spinnweben ins Fenster, die anderen machen das Licht aus und tun so, als wären sie nicht da. Ich gehöre ehrlich gesagt eher zur zweiten Gruppe, zumindest was die Haustür angeht. Als Fan hat man es trotzdem leichter, denn das Fest muss man sich gar nicht selbst zusammenbasteln. Die Welten, in denen wir sowieso ständig unterwegs sind, haben das längst erledigt. In Hogwarts geht an Halloween jedes Jahr irgendwas schief. In Hawkins ziehen vier Jungs als Ghostbusters los und merken erst in der Schule, dass sonst keiner verkleidet ist. Auf einer kleinen Insel verteilt ein Kürbiskopf Möbel gegen Süßigkeiten, und in Springfield gelten seit 1990 jeden Oktober die Regeln nicht mehr.

Wir sind das mal durchgegangen. Zwölf Welten, in beliebiger Reihenfolge, und am Ende ein paar Vorschläge, wie man sich daraus einen Abend zusammenstellt. Wer eine Rangliste erwartet, wird enttäuscht, darüber streiten wir uns intern schon genug.

Hogwarts: Der Tag, an dem immer etwas passiert

In „Harry Potter“ ist Halloween nie nur Deko, auch wenn die Große Halle voller schwebender Kürbisse hängt. Es ist der Tag, an dem Harrys Eltern gestorben sind, am 31. Oktober 1981, und die Bücher vergessen das nie ganz. Im ersten Band bricht genau an diesem Abend der Troll in die Mädchentoilette ein, und aus drei Kindern, die sich bis dahin nicht leiden können, werden Freunde. Im zweiten Band feiert der Fast Kopflose Nick seinen fünfhundertsten Todestag, mit einer Party, auf der das Essen absichtlich verdorben ist (Geister riechen es lieber, als dass sie es essen), und während Harry da unten steht, wird oben Mrs. Norris versteinert. Im dritten Band zerfetzt Sirius Black das Porträt der Fetten Dame, im vierten spuckt der Feuerkelch Harrys Namen aus.

Mir ist das erst beim Wiederlesen aufgefallen, wie konsequent Rowling das durchzieht. Vier Bücher hintereinander kippt die Geschichte ausgerechnet an diesem Abend. Wenn in Hogwarts die Kürbisse hängen, kann man sich schon mal festhalten.

Hawkins: Vier Ghostbusters und ein Junge, der nicht mehr ganz da ist

Staffel 2, Folge 2 von „Stranger Things“ heißt „Trick or Treat, Freak“ und ist vermutlich die bekannteste Halloween-Folge der letzten zehn Jahre. Mike, Dustin, Lucas und Will kommen als Ghostbusters zur Schule, mit Protonenpacks und allem Drum und Dran, und stellen auf dem Parkplatz fest, dass sie die einzigen sind, die sich verkleidet haben. Dustin und Lucas streiten sich, wer Venkman sein darf (beide, natürlich). Max taucht als Michael Myers auf. Und während alle anderen Süßigkeiten sammeln, rutscht Will zum ersten Mal wieder ins Upside Down.

Die Folge hat alles, was die Serie an den 80ern liebt: die Kostüme, die Musik, die Erwachsenen, die vor allem Angst haben, was nach dunklem Wald aussieht. Und sie ist auch die Stelle, ab der die Staffel ernst wird. Wer sie an Halloween noch nie geschaut hat, dieses Jahr wäre eine gute Gelegenheit.

Springfield: Seit 1990 ein Oktober ohne Regeln

Die Simpsons haben sich für Halloween ein eigenes Genre gebaut. „Treehouse of Horror“ läuft seit 1990 jedes Jahr, 2026 steht die siebenunddreißigste Ausgabe an, und keine einzige davon zählt zur eigentlichen Handlung. Deshalb darf da auch alles passieren. Homer verkauft seine Seele für einen Donut, die Familie wird von Außerirdischen entführt, Shining wird nachgespielt, ein Werbe-Maskottchen tritt die Stadt platt. Figuren sterben, die Stadt wird vernichtet, und in der Folge danach steht alles wieder da, als wäre nichts gewesen.

Falls du dir aus dieser Liste nur eine Gewohnheit mitnimmst: Eine Treehouse-Folge pro Abend, chronologisch, ab dem 1. Oktober. Bis zum 31. bist du irgendwo in den 2010ern angekommen, und die ganz schwachen Jahrgänge sind bis dahin auch durch.

Sunnydale: Die Nacht, in der Dämonen frei haben

In Buffys Welt gilt eine Regel, die Spike einmal so erklärt: An Halloween bleiben die Dämonen zu Hause, zu kitschig, zu viele Amateure unterwegs. Natürlich hält sich nie jemand daran. In „Halloween“ aus der zweiten Staffel verwandelt ein Zauber alle in das, was sie als Kostüm tragen. Buffy wird zur hilflosen Adligen aus dem 18. Jahrhundert, Xander ist plötzlich ein Soldat, der tatsächlich weiß, wie man eine Waffe hält, und Willow muss als Geist durch Wände laufen. In „Fear, Itself“ aus Staffel 4 beschwört eine Halloween-Party aus Versehen einen Angstdämon herauf, der die ganze Folge über als riesige Bedrohung aufgebaut wird und sich am Ende als etwa zehn Zentimeter groß herausstellt. Buffy zertritt ihn. Die Pointe ist bis heute eine der besten der Serie.

Buffy hat Halloween nie ganz ernst genommen, und ich glaube, genau deshalb funktionieren diese Folgen so gut. Grusel, Witz, ein bisschen Herz, in 42 Minuten erledigt. Das konnte die Serie sowieso am besten.

Gravity Falls: Halloween im Juni

Weil in Gravity Falls die Sommerferien zu schön sind, um bis Oktober zu warten, feiert die Stadt „Summerween“ am 22. Juni. Mit Wassermelonen statt Kürbissen, die man genauso aushöhlt und mit Fratzen versieht, was übrigens deutlich mehr Sauerei macht. Der Summerween-Trickster bestraft alle, die keine Süßigkeiten rausrücken, und besteht am Ende selbst aus genau den Süßigkeiten, die keiner mochte. Die mit dem Lakritz.

Die Folge zeigt ganz nebenbei, dass man das Fest komplett neu erfinden kann, solange Kostüme, Süßes, ein bisschen Angst und ein paar Freunde dabei sind. Alles andere ist Beiwerk. Und falls du Gravity Falls noch nicht kennst: zwei Staffeln, abgeschlossen, ohne Durchhänger. Für den Oktober gibt es kaum einen besseren Serieneinstieg.

Halloween Town: Wo das Fest hergestellt wird

Alle anderen hier feiern Halloween. In „Nightmare Before Christmas“ wird es produziert. Halloween Town ist eine Stadt, deren einziger Zweck darin besteht, einmal im Jahr die Welt zu erschrecken, und Jack Skellington ist der beste Mitarbeiter, den sie je hatte. Bis er in einen Wald voller Türen stolpert, Weihnachten entdeckt und beschließt, das auch mal zu versuchen.

Der Film ist 33 Jahre alt und bis heute die einzige Marke, die wirklich zu beiden Festen gehört. Man kann ihn am 31. Oktober schauen und am 24. Dezember noch mal, und beide Male passt er. Das war von Anfang an so gedacht. Und „This Is Halloween“ ist nach wie vor der einzige Halloween-Song, den man ohne Scham mitsingen kann. Jedenfalls bei uns im Büro.

Animal Crossing: Das sanfteste Halloween der Welt

Am 31. Oktober ab 17 Uhr steht in Animal Crossing ein Kürbiskopf namens Jack auf dem Dorfplatz. Er ist der Herrscher über Halloween, und er will Süßigkeiten. Wer welche hat, bekommt Möbel dafür. Wer keine hat, wird mit einem Streich bestraft, meistens einem neuen Outfit, das man so nicht bestellt hatte. Die Nachbarn laufen in Kostümen herum, es ist dunkel, und niemandem passiert irgendwas.

Für ziemlich viele Leute ist das der erste Kontakt mit Halloween überhaupt, lange vor dem ersten Horrorfilm. Und wer den ganzen Oktober Kürbisse angebaut hat, um das Spukmöbel-Set zusammenzubekommen, der weiß, dass dieses Spiel Halloween ernster nimmt als die meisten Menschen, die ich kenne.

Lavandia: Der Ort, an dem Pokémon gruselig wurde

Wer Pokémon Rot oder Blau gespielt hat, erinnert sich an den Moment, in dem die Musik anders wurde. Lavandia, der Pokémon-Turm, die Geister, die man ohne Silph Scope nicht erkennen kann, und die Geschichte von der Knogga-Mutter, die ihr Kind beschützt hat und dafür getötet wurde. Das war 1996, in einem Spiel für Kinder, auf einem Game Boy ohne Hintergrundbeleuchtung. Eine ganze Generation hat das nicht vergessen, und die Internet-Legenden über die Lavandia-Musik kursieren bis heute.

Seitdem hat „Pokémon“ seinen eigenen Oktober. Gengar ist das inoffizielle Halloween-Maskottchen, und Pokémon GO macht seit 2016 jedes Jahr ein Halloween-Event mit Geister-Pokémon an jeder Straßenecke. Wer im Oktober mit dem Handy rausgeht, spielt also sowieso schon mit, ob er will oder nicht.

Minecraft: Was am 31. Oktober passiert, wenn man hinschaut

In „Minecraft“ passiert am 31. Oktober etwas, das die meisten Spieler noch nie gesehen haben, weil sie an dem Tag was anderes vorhatten: Zombies, Skelette und ihre Verwandten laufen mit Kürbisköpfen herum. Es gibt dazu weder eine Ankündigung noch ein Event. Das Spiel schaut einfach auf das Datum deines Rechners, und wenn Halloween ist, tragen die Monster Kürbisse. Mit etwas Glück kann man den Kürbis sogar erbeuten.

Das ist seit 2012 so drin, und ich finde es schön, dass ein Spiel ohne jede Story trotzdem so eine Tradition hat. Wer heute Abend nachsehen will, muss nur die Systemzeit vorstellen. Das haben wir hier aber nicht gesagt.

Luigis Villa: Nintendos Antwort auf Horror ist ein Staubsauger

2001 kam der GameCube auf den Markt, und das Spiel, das ihn begleitete, war kein Mario-Abenteuer, sondern ein Geisterhaus für seinen Bruder. Luigi's Mansion ist ein komplettes Spiel über Angst. Luigi zittert, summt sich beim Gehen selbst Mut an und ruft in den dunklen Fluren nach Mario, der nicht antwortet. Seine einzige Waffe ist ein Staubsauger, mit dem er Geister einsaugt wie Krumen unterm Sofa.

Dass die Reihe bis heute funktioniert, und Teil 3 auf der Switch ist der beste, liegt genau an dieser Mischung: Der Grusel wird ernst genommen, der Held überhaupt nicht. Man kann das an Halloween auch mit Kindern spielen, die sonst vor allem Angst haben. Luigi hat auch Angst und macht trotzdem weiter, das kommt bei Siebenjährigen erstaunlich gut an.

Thriller Bark: Der Halloween-Arc, der nicht so heißt

In „One Piece“ gibt es keinen 31. Oktober, aber es gibt Thriller Bark. Eine Insel, die eigentlich ein Schiff ist, mit Zombies, einem Geisterschloss, einer Prinzessin, die mit Gespenstern spielt, und einem Schurken namens Gecko Moria, der den Leuten die Schatten klaut und in Leichen steckt. Dazu ein singendes Skelett mit Afro, das sich am Ende der Crew anschließt. Wenn das kein Halloween ist, dann weiß ich auch nicht.

Der Arc ist der komplette Gruselbaukasten, wie Oda ihn versteht: Nichts davon ist wirklich beängstigend, alles ist herrlich überdreht, und am Ende steht trotzdem einer der emotionalsten Momente der ganzen Serie, wenn Brook erzählt, warum er fünfzig Jahre allein auf einem Geisterschiff verbracht hat. Rund 45 Folgen, also eher ein Projekt für den ganzen Oktober als für einen Abend.

Over the Garden Wall: Die Serie, die jedes Jahr im Oktober wieder auftaucht

„Over the Garden Wall“ ist der Geheimtipp in dieser Liste, zumindest in Deutschland. Zehn Folgen von je elf Minuten, 2014 bei Cartoon Network gelaufen, und seitdem ist es eine Art Ritual geworden: Jedes Jahr im Oktober taucht die Serie überall wieder auf, und jedes Jahr entdecken sie neue Leute zum ersten Mal. Zwei Brüder, Wirt und Greg, verlaufen sich in einem Wald, der aussieht wie ein amerikanisches Herbstmärchen aus dem 19. Jahrhundert, mit sprechenden Kürbisleuten, einem singenden Frosch und einem Biest, das Kinder in Bäume verwandelt. Greg hat die ganze Zeit einen Frosch dabei, dem er ständig neue Namen gibt.

Die Serie ist weder richtig gruselig noch harmlos, sondern irgendwas dazwischen, und das macht sie für den Oktober so gut. Man schaut sie an einem Abend durch und nimmt sich vor, das nächstes Jahr wieder zu tun. Und dann tut man es tatsächlich.

Salem: Drei Hexen und ein Film, der nie weggeht

„Hocus Pocus“ war 1993 im Kino kein Erfolg. Dann lief er jedes Jahr im Fernsehen, und irgendwann war er der Halloween-Film einer ganzen Generation, ohne dass jemand so richtig sagen könnte, wann das passiert ist. Die Sanderson-Schwestern, Bette Midler als Winifred, ein sprechender Kater, der 300 Jahre auf Rache wartet, und ein Teenager, der aus Versehen die falsche Kerze anzündet. 2022 kam bei „Disney“ die Fortsetzung, die niemand gebraucht hat und die trotzdem alle geschaut haben, wir auch.

Der Film ist in dieser Liste das Gegenstück zu allem anderen. Kein großes Universum, keine Lore, die man kennen muss. Einfach ein Film, der Halloween ist, und das reicht offensichtlich für dreißig Jahre.

Dein Halloween-Abend

Niemand schafft diese Liste an einem Abend, wir auch nicht. Deshalb drei Vorschläge, je nachdem, wie der Abend werden soll:

Gemütlich: Erst Animal Crossing, Jack besuchen und Süßigkeiten abgeben. Dann „Over the Garden Wall“ komplett, das sind knapp zwei Stunden. Zum Abschluss eine alte Treehouse-of-Horror-Folge, am besten eine aus den 90ern. Keiner hat Angst, alle sind zufrieden, und man ist vor Mitternacht im Bett.

Gruselig: Die Stranger-Things-Halloween-Folge, danach gleich die Buffy-Folge „Fear, Itself“ zum Runterkommen, und zum Schluss Luigi's Mansion bei ausgeschaltetem Licht. Das Spiel ist harmlos, das Licht aus macht trotzdem einen Unterschied.

Nostalgisch: „Hocus Pocus“, dann die allererste Treehouse-of-Horror-Folge von 1990, und zum Ausklang Pokémon Rot rauskramen und nach Lavandia laufen. Wer das Spiel noch hat, weiß genau, in welcher Schublade.

Und wer stattdessen lieber richtig gruselt: Die 13. Staffel von American Horror Story läuft gerade, das Finale kommt pünktlich zu Halloween. Alles dazu steht in unserem großen AHS-Artikel.

Egal, wofür du dich entscheidest: Das Praktische an Halloween als Fan ist, dass man sich das Fest nicht ausdenken muss. Die Welten, die wir ohnehin lieben, feiern schon seit Jahren. Man muss nur reingehen.

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